LER-Stellungnahme: Russisch-Roulette bei der 2. Fremdsprache?

LER Sachsen: Stellungnahme zur Problematik des Losverfahrens zur Wahl der 2. Fremdsprache im Gymnasium

Vom 17.06.2013

Sächsische Gymnasiasten bekommen immer mehr „Sprachprobleme“, denn die Zahl der Losverfahren für die Wahl der 2. Fremdsprache nimmt zu.

In der Regel wählen Eltern in der 5. Klasse des Gymnasiums aus dem Sprachangebot der Schule die 2. Fremdsprache, die ihr Kind ab Klassenstufe 6 erlernen soll. Sie tun dies mit Blick auf familiären Hintergrund, persönliche Neigungen des Kindes, eventuelle Berufsziele und nach Beratung mit den Sprachlehrkräften ihrer Kinder.

In den sächsischen Gymnasien wird diese Wahl allerdings durch eine Verordnung des Kultusministeriums zur Wahl ad absurdum geführt. Es gibt keinen Rechtsanspruch auf die gewünschte Sprache, stattdessen wird bei Kapazitätsengpässen das Losverfahren festgelegt. Diese „ Engpässe“ treten nunmehr immer stärker in den Fokus, einerseits dem Lehrermangel geschuldet, der die benötigten Sprachklassen nicht mehr ermöglicht, aber auch geschuldet dem „auf Kante genähten Bildungssystem“.

Es gibt für die Gymnasien keine Möglichkeit mehr, Fremdsprachkurse über die Klassenanzahl hinaus anzubieten. Die Klassen werden meist bis auf den Klassenteiler, momentan 28 Schüler, aufgefüllt. Das bedeutet dann, dass ausgelost wird, welches Kind welche Sprache erlernen darf, sobald sich mehr Schüler für eine Sprache anmelden, als die Klassenstärke erlaubt.

Diese Art der „Sprachenfindung“ wurde in einer Verordnung des Kultusministeriums festgelegt, um etwaige Klagen von Eltern zu erschweren: Das Losverfahren ist kaum anfechtbar und gilt daher als rechtssicher. Diese Verordnung dient sozusagen der Verwaltung des Mangels, den unsere Kinder ausbaden müssen. Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten wird berechnet, wie viel dem Land Bildung wert ist.

Die Sprachproblematik trifft auch die Sekundarstufen der Mittelschulen. Durch Umstellung der Mittelschulen auf „Oberschulen“ wird auch dort ein Schwerpunkt der schulischen Ausbildung auf die 2. Fremdsprache gelegt werden und sich der Mangel an Lehrkräften im Sprachbereich noch verschärfen.

Mittelschüler, die durch die 2. Bildungsempfehlung nach der 6. Klasse aufs Gymnasium wechseln möchten stehen vor der Problematik, eventuell eine Fremdsprache weiterführen zu müssen, für die sie keine Vorkenntnisse haben, da just zu diesem Zeitpunkt die Fremdsprache ihrer Wahl nicht mehr angeboten werden kann. Erschwerend kommt hinzu, dass die Klassen, wie schon beschrieben, meist voll ausgelastet sind mit 28 Schülern, also de facto gar keine Kapazität für weitere Schüleraufnahmen vorhanden ist. Damit ist auch die freie Wahl des Gymnasiums vorbei. Es muss der Schulplatz genommen werden, der noch frei ist, egal welche Sprachen dort gerade angeboten werden.

Wir Eltern möchten unsere Kinder fördern und in ihren Lebenszielen bestmöglich unter-stützen. Dazu gehört unabdingbar die freie Auswahl der zu erlernenden Sprachen. Nach dem Sprachenangebot suchen wir die Schule für unsere Kinder aus.

Ziel einer erfolgreichen, zukunftsorientierten Bildungspolitik kann nur sein, den not-wendigen Bedürfnissen aller Schüler gerecht zu werden. In Schulen um die Sprachen zu losen, ist inakzeptabel.

Der LER fordert, das „Losverfahren“ als Auswahlverfahren in der Verordnung des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus schnellstens zu streichen und Schulen wieder die Möglichkeit der Bildung von zusätzlichen Sprachkursen einzuräumen. Durch Aufstockung der Lehreranzahl für die entsprechenden Sprachen muss den Schulen Spielraum gegeben werden, um flexibel auf die Sprachlernwünsche der jeweiligen Klassenstufen eingehen zu können und so verlässlich für Kinder und Eltern das anzubieten, was im Profil der Schule steht.

Unsere Kinder sind keine Lotto-Scheine, die je nach Ziehung Glück haben oder nicht. Sie haben ein Recht auf verlässliche, fundierte und ausreichende Bildung und zwar unabhängig von wirtschaftlichen oder demographischen Überlegungen. Dieses Recht sollte für die Regierung Sachsens oberste Priorität haben.

Cornelia Böttner
LER-Vorstandsmitglied
Andreas Hellner
LER-Vorsitzender

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