Positionspapier der Studienreferendare

Gymnasium, Jahrgang 2012/14
vom 01.07.2013

Positionspapier der Studienreferendare
Das vorliegende Positionspapier wurde erarbeitet, um den gemeinsamen Standpunkt der Referendare in Bezug auf die Maximalstundenzahl während der Ausbildung darzustellen und zu verdeutlichen, dass bei dieser Thematik Referendare und Ausbildungsschulen gemeinsame Interessen vertreten. Diese betreffen die nachfolgenden Schwerpunkte.

Realisierung der Lehrproben
Die Festsetzung der Stundenzahl im zweiten Ausbildungsjahr auf das Maximum erscheint im Rahmen der eigentlichen Lehrerausbildung eher kontraproduktiv als dienlich. Beim Einsatz der Referendare mit der Maximalstundenzahl ist es für die Ausbildungsschulen, gerade bei einem Jahrgang mit mehr als 150 Referendaren, nahezu unmöglich, einen Einsatz des jeweiligen Referendars in zwei Fächern in Sekundarstufe I und II sicherzustellen.

Wird die Stundenzahl auf zwölf Unterrichtsstunden festgesetzt, ist ein konstanter Einsatz in der Sekundarstufe I durchaus möglich, während für den Einsatz in der Sekundarstufe II in beiden Fächern kaum Stunden zur Verfügung stehen. Im Rahmen der Lehrprobe muss jedoch ein mindestens sechswöchiger eigenständiger Unterricht in der Sekundarstufe II durch die Ausbildungsschule sichergestellt werden.

Problematisch ist dies besonders bei Fächern mit einem hohen Stundenvolumen, da hier die Maximalstundenzahl bereits durch den Einsatz in der Sekundarstufe I erreicht wird, oder eine derart ungleiche Stundenverteilung entsteht, dass zwölf Stunden bereits erreicht sind, wenn im Erstfach die Sek I und II sowie im Zweitfach die Sek I unterrichtet werden.

Durchführbarkeit
Eine mögliche Realisierung bestünde in einem sechswöchigen Wechsel von Klassen und Kursen im Zeitraum der Lehrproben. Dass dies die Ausbildungsschulen vor planerische Herausforderungen noch unbekannten Ausmaßes stellt, ist offensichtlich. Eine Maximalstundenzahl von „in der Regel zehn bis zwölf Unterrichtsstunden 1 darf gemäß LAPO II nicht bzw. über einen längeren Zeitraum nicht überschritten werden. Dass Referendare jedoch im Ausbildungsalltag eine längerfristige Überschreitung der Maximalstundenzahl hinnehmen müssen, ist, aufgrund bisheriger Erfahrungen, unstrittig. Werden Mentor und Referendar zudem noch parallel geplant, ohne Raum für Hospitationen und Auswertungen kann ein wesentlicher Ausbildungsaspekt im zweiten Jahr nicht mehr realisiert werden.

Vergütung
Richtig ist, dass Referendare in anderen Bundesländern vergleichbare und höhere Stundenzahlen im zweiten Ausbildungsjahr unterrichten. Allerdings werden in diesen Bundesländern auch höhere Bezüge gezahlt. Die derzeitigen Ausbildungsbezüge im Freistaat Sachsen entsprechen in keiner Weise einer regulären Vergütung von zwölf geleisteten Unterrichtsstunden.

Kollegium
Müssen Referendare an allen Schulen die maximalen Stundenzahlen absolvieren, wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit in vielen Fällen zu Abordnungen von Kollegen kommen sowie im schlimmsten Fall zur Einsparung kompletter Lehrerstellen. Die Referendare würden so innerhalb der Kollegien in eine schwierige Position gebracht und die Kluft zum einjährigen Referendariat würde sich weiter vertiefen.

Kommunikation
Über die Erhöhung der Stundenzahl wurde im Vorfeld weder mit den Referendaren, noch mit der Ausbildungsstätte oder mit den Schulen gesprochen. Bedauerlicherweise entsteht gerade durch diesen Mangel an Kommunikation der Eindruck, es handle sich bei der Festsetzung der Stundenzahl um einen hoheitlichen Akt seitens des SMK, bei dem es vor allem darum geht, möglichst ohne Mehrkosten, Lücken im Stundenkontingent zu füllen, ohne Rücksicht auf den Ablauf der Lehramtsausbildung.

Qualität der Ausbildung
Von Seiten der Referendare wird eine Rückkehr zur Regelung der LAPO II vom 03.05.2009 gefordert. Dabei betonen wir ausdrücklich, dass es nicht um die Mehrbelastung von zwei Unterrichtsstunden geht, sondern darum, dass eine reibungslose Lehramtsausbildung nicht durch eine Festsetzung der Maximalstundenzahl gefährdet wird. Die Referendare befürchten, dass sich der Schwerpunkt im zweiten Jahr von einem Ausbildungs- hin zu einem bloßen Arbeitsverhältnis verschiebt.

Kompromiss?
Die wesentliche Sorge der Referendare gilt der Sicherstellung einer qualitativ hochwertigen Lehramtsausbildung, welche durch die angesprochenen Schwerpunkte in nicht unerheblichem Maße beeinträchtigt wird. Die bisherige Regelung der LAPO II sichert das Betreuungsverhältnis von Mentor und Referendar. Sie betont außerdem den Ausbildungscharakter des zweijährigen Vorbereitungsdienstes. Sofern an der neuen Regelung festgehalten wird, fordern wir, dass die erhöhte Stundenzahl bei den Prüfungslehrproben in Form von längeren Freistellungen für die Lehrproben oder einer Verkürzung der Anzahl der Lehrproben berücksichtigt wird. Die Tatsache, dass beim einjährigen Referendariat weniger Stunden und nur die Hälfte der Lehrproben gefordert werden, stellt eine inakzeptable Ungleichbehandlung der sächsischen Referendare dar.

Die Referendare und Sprecher der Seminargruppen des Jahrgangs 2012/14



1 LAPO II §12, Verordnung des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus über den Vorbereitungsdienst und die Zweite Staatsprüfung für Lehrämter an Schulen im Freistaat Sachsen.


Link: Positionspapier_Referendare_1214.pdf

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